terra cognita 14/2009 Infothek

   

Bücher und Materialien

Neue Migrationslandschaft

Die Neue Zuwanderung.
Die Schweiz zwischen Brain-Gain und Überfremdungsangst.
Daniel Müller-Jentsch, Avenir Suisse (Hg.)
In der Schweiz leben und arbeiten heute viele hoch und höchst qualifizierte Ausländer und Ausländerinnen. Trotzdem ist die «neue Zuwanderung» dieser Menschen aus Nord- und Westeuropa noch kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Der Sammelband beschreibt diese Zuwanderung unter wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten. Namhafte Experten und engagierte Beobachter diskutieren Chancen, Risiken und die Position der Schweiz im internationalen Wettbewerb um Talente. Die wissenschaftlichen Analysen werden mit essayistisch-journalistischen Texten sowie mit Fotostrecken und Illustrationen zu einem bunten und facettenreichen Bild ergänzt. Ausserdem enthält das Werk ein beiliegendes 32-seitiges Statistikbrevier.
Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2008
ISBN 978-3-03823-475-3, CHF 48.-

Die demografische Zukunft von Europa.
Wie sich die Regionen verändern.
Iris Hossmann, Reiner Klingholz, Steffen Kröhnert
Wie entwickelt sich Europa? Vielerorts liegen die Kinderzahlen auf niedrigem Niveau und immer mehr Menschen kommen ins Rentenalter. Überall stehen die Sozialsysteme vor grossen Herausforderungen. Alte wie neue Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wollen von der EU-Erweiterung profitieren. Billige Produktion wandert gen Osten, aber am meisten verdient wird nach wie vor in den Innovationszentren im Norden und im Westen. Gleichzeitig hat sich halb Europa auf die Wanderschaft gemacht – immer den Arbeitsplätzen hinterher. Das Europa von 2030 wird völlig anders aussehen als der Kontinent von heute. In der Publikation des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung werden die europäischen Staaten mittels eines statistischen Indikatorensystems in ihrer demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung analysiert und bewertet. Die Besonderheit: Die Entwicklungschancen von insgesamt 285 Regionen werden anhand einer Skala von 1-6 aufgelistet. In der Schweiz erhalten übrigens Zürich und die Ostschweiz die besten Noten.
München: dtv 2008
ISBN 978-3423345095, € 19.90

Deutschland 2030.
Wie wir in Zukunft leben.
Horst W. Opaschowski
Wie wird sich die Welt bis 2030 verändert haben? Und wie kann Deutschland diese Veränderungen aktiv mitgestalten? Der Freizeitforscher und Zukunftswissenschaftler Horst W. Opaschowski antwortet auf diese Fragen. Ausführlich und detailliert (785 Seiten) erläutert er, welche Entwicklungen nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern auch in Kultur, Freizeit und Alltagsleben zu erwarten sind. Der Autor hat den Anspruch, mit seinem Buch auf wissenschaftlicher Basis eine Vorausschau zur Zukunft der deutschen Gesellschaft und Antworten auf gängige Fragen zu liefern. Als Basismaterial dienen verschiedenste empirische Erhebungen und Repräsentativbefragungen. Ein Buch, das man unbedingt 20 Jahre aufbewahren muss.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2008
ISBN 978-3-579-06991-3, CHF 51.90

Wie schnell wächst die Zahl der Menschen?
Rainer Münz, Albert F. Reiterer
Bis zum Jahr 2050 wächst die Weltbevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit um weitere drei Milliarden auf neun Milliarden Menschen, vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Wie wird die Erde diesen Zuwachs verkraften? Wie werden sich die Gewichte verschieben? Das Buch gibt einen Ausblick auf Ursachen und Folgen des Bevölkerungswachstums und der Alterung der Gesellschaften.
Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2007
ISBN 978-3596172719, CHF 18.60

Schweiz – Europa: wie weiter? Kontrollierte Personenfreizügigkeit
Georg Kreis (Hg.)
Die Personenfreizügigkeit ist für die Schweizer Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Nach einem zähen Entstehungsprozess wurde das Abkommen 2000 in einer Volksabstimmung angenommen. Neun Jahre später wurde über die Weiterführung der Personenfreizügigkeit und deren Ausdehnung auf Bulgarien und Rumänien abgestimmt. Namhafte Autoren beleuchten das Thema aus historischer, juristischer, wirtschaftswissenschaftlicher und politologischer Perspektive. Sie bieten damit eine umfassende Orientierung über die zurzeit kontrovers diskutierte Frage, die für die Entwicklung der Schweiz von höchster Bedeutung ist.
Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2009, Reihe: die neue Polis
ISBN 978-3-03823-518-7, CHF 20.-

Generationen – Strukturen und Beziehungen.
Generationenbericht Schweiz.
Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger, Christian Suter
unter Mitarbeit von Philippe Wanner und Stephan Wolf

Generationenbeziehungen berühren alle Phasen des Lebens, von der Geburt bis zum Lebensende, und das Verhältnis von Jung und Alt beeinflusst alle Lebensbereiche, von Alltagskontakten bis hin zu Kultur, Wirtschaft und Politik. Der erste Generationenbericht der Schweiz – ausgehend von Forschungsresultaten aus dem Nationalen Forschungsprogramm 52‚ Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen – vermittelt eine umfassende Darstellung neuer Trends zu familialen und ausserfamilialen Generationenbeziehungen. Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen unterliegt das Verhältnis zwischen Generationen einem raschen Wandel. Dies berührt die Beziehungen zwischen Kindern, Eltern und Grosseltern als auch sozialpolitische Regelungen, politische Diskurse und wirtschaftliche Verhältnisse. Generationenbeziehungen und intergenerationelle Aktivitäten haben sich nach sorgfältiger Analyse vielfach positiver entwickelt als dies Diskussionen über aktuelle Generationenkonflikte vermuten lassen. Der Generationenbericht korrigiert viele populäre Vorstellungen über den Zusammenbruch der Generationensolidarität.
Zürich: Seismo 2008
ISBN 978-3-03777-063-4, CHF 58.-

Demografische Entwicklung in den Kantonen von 2002 bis 2040: nach dem Szenario «Trend».
Raymond Kohli, Stéphane Cotter
Die Publikation präsentiert die Ergebnisse des Szenarios «Trend», welches als Referenzszenario die am plausibelsten erscheinende Entwicklung darstellt. Nach einer Beschreibung der demografischen Entwicklung in der Schweiz und in den Kantonen im 20. Jahrhundert wird die generelle Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz und in den einzelnen Kantonen in den nächsten vier Jahrzehnten skizziert. Besonderes Augenmerk gilt dabei der unterschiedlich verlaufenden Alterung der Bevölkerung in den einzelnen Kantonen. Im zweiten Teil der Publikation wird die künftige demografische Entwicklung aller Kantone zusammengefasst nach den sieben Grossregionen der Schweiz detailliert kommentiert.
Neuchâtel: BFS 2004
Vertrieb BBL Art-Nr.: 202-0400, CHF 10.-

The Global Competition for Talent. Mobility of the Highly Skilled.
Sarah Box, Ester Basri
Immer mehr Länder werden intensiver in den Bereichen Forschung und Entwicklung tätig, was dazu führt, dass auch internationale Wanderungsbewegungen hochqualifizierter Arbeitskräfte an Grösse und Komplexität zunehmen. Direkt und indirekt wird Wissen durch «Mobile Talent» über Landesgrenzen hinaus verbreitet. Dies kann Innovationsleistungen global vorantreiben mit Nutzen sowohl für die Ursprungsländer, als auch die Zielländer. Mobilität führt verstärkt zu einer Internationalisierung des Arbeitsmarkts, und der Kampf um hochqualifizierte Arbeitskräfte wird Innovationspolitik zunehmend weltweit beeinflussen.
Paris: Edition OCDE 2008
ISBN 978-926404774-7, € 30.-

A Profile of Immigrant Populations in the 21st Century.
OECD
This publication presents and discusses some of the key information available in the newly created Database on Immigrants in OECD Countries (DIOC). The many graphs and tables include data on: immigrants’ demography including age, gender and duration of stay; and their labour market outcomes including labour market status, occupation and sector of activity.
Paris: OECD Publishing 2008
ISBN 9789264040908, € 35.-

Migration for Development: Within and Beyond Frontiers
International Organization for Migration IOM
Das Buch umfasst eine Reihe von Beiträgen, welche Zusammenhänge zwischen Entwicklung und Migration beleuchten, oder genauer: Was Migration zur Entwicklung beitragen kann. Eine wichtigen Platz erhalten Berichte über Remissen und ihre Bedeutung für die Herkunftsländer.
Geneva: IOM 2006
ISBN 978 92 9068 310 X, € 30.-

 

 
Neuerscheinungen
   
   
   
 
 
 

Neuerscheinungen

Migrations- und Integrationspolitik

Neue Publikationen der EKM

Aufnahme von Flüchtlingsgruppen und Hilfe vor Ort.
Bericht und Empfehlungen der EKM
Von 1950 bis 1995 hat die Schweiz im Rahmen von Wiederansiedlungsprogrammen regelmässig Flüchtlinge aufgenommen. Wegen der vielen individuellen Gesuche von Balkan-Flüchtlingen in den 90er Jahren hat der Bundesrat diese Aufnahmepolitik eingestellt. Die EKM hat dem Bundesrat im Herbst 2008 einen Bericht zur «Aufnahme von Flüchtlingsgruppen und Hilfe vor Ort» abgeliefert. Sie empfiehlt, dass sich die Schweiz wieder an den Wiederansiedlungsprogrammen beteiligt, im Rahmen von 200 bis 300 Flüchtlingen pro Jahr. Die gesetzlichen Grundlagen dazu bestehen, die finanziellen Mittel müssten bereitgestellt werden. Die Kommission schätzt, dass es dazu 20 bis 30 Millionen Franken pro Jahr brauchen würde. Das Geld könnte für die Aufnahme von Flüchtlingsgruppen eingesetzt werden oder für Wiederansiedlungsprogramme vor Ort (in der Regel in einem Nachbarstaat der Geflohenen). Mit einer solchen Politik würde jenen Flüchtlingen geholfen, die am stärksten auf Schutz angewiesen sind. Sie können nicht in ihre Heimat zurückkehren und leben in der Regel seit vielen Jahren in einem Erstaufnahmeland in prekären Verhältnissen.
Bern: EKM 2009, Reihe: Materialien zur Migrationspolitik
Vertrieb BBL, Art.-Nr.: 420.919.D (gratis)

Frühe Förderung. Forschung, Praxis und Politik im Bereich der Frühförderung: Bestandesaufnahme.
Mathilde Schulte-Haller
Der Bericht ist als eine Auslegeordnung zu verstehen, welche neue Erkenntnisse aus Theorie und Praxis der Frühförderung einem breiten Publikum zugänglich machen will. Diese Erkenntnisse sollen sowohl die bildungspolitische Diskussion im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Frühförderung anregen als auch eine Grundlage dafür sein, wie die verschiedensten Initiativen und Ansätze in diesem Bereich voneinander profitieren können. Ein spezielles Augenmerk ist dabei der Frage gewidmet, wie die Bedürfnisse von Migrationsfamilien – sowohl der Kinder wie auch der Eltern – berücksichtigt werden können und welche Rolle Sprachförderung dabei spielen soll.
Bern: EKM 2009, Reihe: Materialien zur Migrationspolitik
Vertrieb BBL, Art.-Nr.: 420.918.D (gratis)

Empfehlungen zur Frühförderung.
EKM
Aufgrund einer umfassenden Bestandesaufnahme, was in der Schweiz gegenwärtig im Bereich der Frühförderung angeboten, diskutiert und geplant wird, hat die EKM eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet. Die Kommission vertritt dabei eine dezidiert gesamtgesellschaftliche Perspektive: Integrationspolitische Anliegen in diesem Bereich seien in eine Gesamtstrategie von frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung einzubinden. Ein solcher Blickwinkel sei auch in Bezug auf die Sprachförderung umzusetzen, denn nur eine integrative Sprachförderpolitik, welche sowohl der Erst- wie auch der Zweitsprache angemessen Rechnung trägt, sei der Integration dienlich.
Bern: EKM 2009
Vertrieb BBL, Art.-Nr.: 420.955 (gratis)

Migration im Fokus. Jahresbericht 2008 der EKM
Die EKM hat ihre Tätigkeit im Januar 2008 aufgenommen. Der erste Jahresbericht gibt nicht nur einen Einblick in die Aktivitäten und Themen der EKM, er zeigt auch die wichtigsten Ereignisse, Entwicklungen und Trends der Migrationspolitik in der Schweiz, aber auch auf internationaler Ebene auf.
Bern: EKM 2009
Vertrieb BBL, Art.-Nr.: 420. 910.08D (gratis)


Migrations- und Integrationspolitik

Zuwandern_aufsteigen_dazugehören.
Etablierungsprozesse von Eingewanderten.
Simon Burtscher
Das Buch behandelt eine Kernfrage der Integrationsforschung an einem exemplarischen Fall: Das österreichische Bundesland Vorarlberg gilt seit Jahrzehnten als Einwanderungsland. Am Beispiel dieses Bundeslandes untersucht die Studie, ob und wie sich Personen mit Migrationshintergrund in der Mehrheitsgesellschaft etablieren. Die Analyse zeigt, dass Akkulturation, Anpassung und sozialer Aufstieg der Zugewanderten nicht automatisch zu Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft führen.
Innsbruck: Studien Verlag 2009
ISBN 978-3-7065-4632-4, CHF 35.90

Perspektiven öffnen – Chancen nutzen.
Unia (Hg.)
Thesen und Forderungen der Unia für einen Kurswechsel in der Migrations- und Integrationspolitik.
Download:
www.unia.ch

Von der Freiheit des Migranten.
Einsprüche gegen den Nationalismus.
Vilém Flusser
Vertriebene sind Entwurzelte, die alles um sich herum zu entwurzeln versuchen, um Wurzeln schlagen zu können. Und zwar tun sie dies spontan, einfach weil sie vertrieben wurden. Es kann jedoch geschehen, dass sich der Vertriebene dieses Aspekts seines Exils bewusst wird. Dass er entdeckt, dass der Mensch kein Baum ist. Und dass vielleicht die menschliche Würde eben darin besteht, keine Wurzeln zu haben. Dass der Mensch erst eigentlich Mensch wird, wenn er die ihn bindenden Wurzeln abhackt.
Berlin: Europäische Verlagsanstalt 2007
ISBN 3-927901-29-6, CHF 23.80

Migrants and Markets.
Perspectives from Economics and the Other Social Sciences.
Holger Kolb, Henrik Egbert
The established academic discipline that is economics and migration research have long treated each other with mutual indifference. While migration research has suffered from a normative overstretch, economics has often reduced its analytical scope to those areas that traditionally belong to the 'genuine' economic sphere. «Migrants and Markets» contains eleven case studies that aim to overcome this artificially imposed barrier between economics and migration research. This is accomplished by applying economic methods to migratory phenomena, using economic theories to explain migratory patterns and by approaching the structure and development of markets as integral to the shaping of stocks and flows of migrants.
Amsterdam: Amsterdam University Press 2008
ISBN 978-90-5356-684-8, € 31.95

Schweizerisches Jahrbuch für Entwicklungspolitik Band 27, Nr. 2.
Migration und Entwicklung: Eine Zweckallianz.
D.Efionayi-Mäder, A. Monsutti, G. Perroulaz, C. Schümperli Younossian (dir.)
Seit rund dreissig Jahren haben sich die internationalen Migrationsbewegungen intensiviert – parallel zur zunehmenden Mobilität von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Information auf regionaler wie auf interkontinentaler Ebene. Die Migration – ob erzwungen oder freiwillig – ist Ausdruck der bestehenden sozialen Ungleichheiten und des Strebens der Migrantinnen und Migranten nach einer besseren Zukunft. Die Artikel des vorliegenden Jahrbuchs versuchen, Diskurs und Realität auseinander zu dividieren: So wie Migration kein Patentrezept für die Entwicklung der Länder des Südens ist, so wird Entwicklung auch nicht die Migrationsbewegungen stoppen. Entwicklungspolitik und Migrationspolitik werden in dieser «Zweckallianz» niemals völlig harmonieren. Das Jahrbuch bietet eine Zusammenfassung der aktuellen akademischen Debatten und interessiert sich in seinen Fallstudien für die Entwicklungseffekte der Rücküberweisungen, die Rolle der Diaspora und die zirkuläre Migration.
Geneva: The Graduate Institute 2009
ISBN 978-2-940415-07-6, CHF 30.-

Die verkannte Integration.
Eine Langzeitstudie unter Heranwachsenden aus Immigrantenfamilien.

Sabine Mannitz
Selbst- und Lebensentwürfe von Heranwachsenden aus Migrantenkreisen werden bislang kaum im Licht der allgemeinen Spannung von spätmoderner Vergesellschaftung und Individualisierung diskutiert. Eher werden sie speziellen Kollektiven oder Problemen zugeordnet, die mit nationalen Herkunftsgruppen in Verbindung gebracht oder auf so genannte Kulturkonflikte zurückgeführt werden. Das Buch bricht mit dieser Perspektive und zeichnet in sechs Fallstudien individuelle Sozialisationsverläufe nach, die zwar der herrschenden Klassifikationsordnung unterliegen, diese in der sozialen Praxis aber zugleich für den biographischen Selbstentwurf transformieren. In diesen Prozessen lassen sich neuartige Formen der Integration komplexer Gesellschaften erkennen.
Bielefeld: transcript 2006
ISBN 978-3-89942-507­3, € 30.80

Leitkultur und Parallelgesellschaft.
Argumente wider einen deutschen Mythos.
Jürgen Nowak
Das Buch setzt sich kritisch mit zwei aktuellen gesellschaftspolitischen Schlagworten in der Diskussion um das Verhältnis zwischen ethnischen Minderheiten und deutscher Mehrheit auseinander: Leitkultur und Parallelgesellschaft. Beide Begriffe werden von konservativen Politikern einseitig nach ethnischen Kriterien interpretiert: Sie entsprechen nicht den sozialhistorischen Entwicklungen und den aktuellen soziologischen Tatsachen. Die Ausgangsthese des Autors ist: Es gibt kein Problem der Minderheit an sich in der Gesellschaft, sondern es ist auch stets ein Problem der Mehrheit in Bezug auf die Minderheit. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein multikulturelles Land, was sich anhand vieler Indikatoren nachweisen lässt. Das Buch zeigt auf, dass die Spaltungen nicht einseitig entlang ethnisch-kultureller Differenzen laufen, sondern dass sie sozial bedingt sind: arm versus reich, gebildet versus nicht-qualifiziert und soziale Segregation.
Frankfurt am Main: Brandes & Apsel 2006
ISBN-13 9783860998311, € 14.90

Gouvernementalität und Sicherheit. Zeitdiagnostische Beiträge im Anschluss an Foucault.   
Patricia Purtschert, Katrin Meyer, Yves Winter (Hg.)
Im Unterschied zu aktuellen Lektüren von Foucaults Gouvernementalität, die sich vor allem auf die Logik des Ökonomischen beziehen, werden in diesem Band die politischen Dimensionen seiner Theorie in den Vordergrund gerückt. Die Analyse der gegenwärtigen Sicherheitsgesellschaft dient als Ausgangspunkt für eine kritische Revision von Foucaults Machttypologie von Souveränität, Disziplin und Regierung. Die Beiträge konturieren gegenwärtige Aspekte der Gouvernementalität, indem sie aktuelle Sicherheitskonzepte und ihr Verhältnis zu Migration, Geschlecht, Bio-Sicherheit, Gewalt, postkolonialer Subjektivität und staatlicher Legitimation problematisieren.
Bielefeld, transcript 2008
ISBN 978-3-89942-631-1, € 25,80

Asyl

Sie waren einst Flüchtlinge.
Neun Lebensgeschichten.
Michael Walther
Andreas Herczog floh nach dem Volksaufstand in Ungarn 1956, Intisar Adens Familie wurde 1990 durch den Bürgerkrieg gezwungen, Somalia zu verlassen. Den beiden ist gemeinsam, dass sie im Rahmen einer Gruppenaufnahme in der Schweiz eine neue Heimat fanden. Sie und sieben weitere ehemalige Flüchtlinge aus Tibet, Chile, der Tschechoslowakei, Vietnam, Polen, Bosnien und dem Iran erzählen von ihrem Heimatland, der Flucht und ihrem heutigen Leben in der Schweiz. Diese Lebensgeschichten, aufgezeichnet von Michael Walther, lassen den Ruf nach einer Wiederaufnahme der Neuansiedlung als Ausdruck der humanitären Tradition der Schweiz laut werden. Wie die Aufnahme von Flüchtlingsgruppen früher aussah und wie sie heute gestaltet werden könnte, darüber geben Beiträge des UNHCR und des schwedischen Migrationsamtes sowie ein historischer Abriss Auskunft. Das Buch ist ein Plädoyer dafür, die bewährte gruppenweise Aufnahme von Flüchtlingen wieder zu einem festen Bestandteil der Schweizer Asylpolitik zu machen.
Zürich: Chronos 2009
ISBN 978-3-00340-0941-6, CHF 36.00

UNHCR global appeal: 2009 update
The aim of the Global Appeal is to alert donors, as well as other organizations and individuals to the plight of millions of refugees and others of concern to UNHCR. It is available to all those interested in the mission and mandate of UNHCR. In line with UNHCR’s move to a biennial planning and budget cycle, this Appeal Update provides revised information on the 2009 strategies and programmes; initial requirements were presented in the 2008-2009 Global Appeal.
Geneva: UNHCR 2009
www.unhcr.org

Recht

Migrationsrecht.
Marc Spescha, Hans-Peter Thür, Andreas Zünd, Peter Bolzli
Das totalrevidierte Ausländergesetz (AuG) trat am 1.1.2008 in Kraft. Eine sachkundige Kommentierung des neuen Gesetzes ist für Praktikerinnen und Praktiker unerlässlich zur Beantwortung ausländerrechtlicher Fragestellungen. Das topqualifizierte Herausgeber-Team bürgt für Praxisnähe und juristische Qualität. Erläutert werden neben dem AuG auch die für das Ausländerrecht massgeblichen Bestimmungen der BV, der EMRK und der UNO-Kinderrechtskonvention. Zudem sind sämtliche zum AuG gehörigen Verordnungen sowie das BüG, auf welches in den Verordnungen des AuG vereinzelt Bezug genommen wird, enthalten. Weiter enthält der Band das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU (FZA) samt Anhängen, die schweizerische Verordnung hierzu sowie Anmerkungen zur Rechtsprechung und Auslegung der zentralen Bestimmungen des Abkommens. Ferner wird das Instrumentarium der flankierenden Massnahmen vorgestellt und die zugehörigen Erlasse sind ebenfalls beigefügt. Abgedruckt ist schliesslich auch der Schengener Grenzkodex. Der Kommentar vereinigt alle Rechtsgrundlagen des schweizerischen Migrationsrechts in einem Band.
Zürich: Orell Füssli 2008
ISBN 978-3-280-07142-7, CHF 118.-

Jahrbuch für Migrationsrecht 2007/2008.
Alberto Achermann, Martina Caroni, Astrid Epiney, Walter Kälin, Minh Son Nguyen, Peter Uebersax
Das aktuelle Jahrbuch für Migrationsrecht befasst sich mit ausgewählten Fragen des neuen Ausländergesetzes und des revidierten Asylgesetzes. Dies betrifft zum einen die neuen Bestimmungen zur Integration von Migranten und Migrantinnen, die analysiert und in einem zweiten Beitrag mit anderen Integrationspolitiken verglichen werden. Weitere Artikel gehen der Frage nach, in welchem Umfang sich die Rechtsstellung von EU-Angehörigen und sog. Drittstaatsangehörigen in der Schweiz unterscheidet, und welches die rechtlichen Konsequenzen des Ausschlusses abgelehnter Asylsuchender aus der Bundesfürsorge sind.
Bern: Stämpfli Verlag 2008
ISBN 978-3-7272-2763-9, CHF 79.–

Die muslimische Minderheit und ihre Religion.
Erwin Tanner
Das Buch zeigt, welche Grundregeln die Schweizerische Eidgenossenschaft bei der Gestaltung ihrer Beziehungen zum Islam und zur islamischen Gemeinschaft zu beachten hat. Es setzt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Offenheit der Muslime und Musliminnen für die hiesige Staatsform, den säkularen, demokratischen und föderalistischen Rechtsstaat, auseinander. Es ermittelt die Stärke der Muslime und Musliminnen in der Gesellschaft und bestimmt die damit verbundene adäquate Art und Weise ihrer Eingliederung in das hier bestehende System der institutionellen Zuordnung der Religionsgemeinschaften zum Staat.
Berlin, Zürich: Lit Verlag 2008
ISBN 978-3-8258-1357-4, CHF 50.90

Das Recht auf Immigration.
Rechtsphilosophische Begründung eines originären Rechts auf Einwanderung im liberalen Staat.
Martino Mona
Das Phänomen der Einwanderung von Menschen gehört in den modernen liberal geprägten Nationalstaaten zu den aktuellsten und kontroversesten Themen überhaupt. Den Interessen und Wünschen der potentiellen Einwanderer steht zunehmend der Wunsch der Regierung und der ansässigen Bevölkerung nach Beschränkung und Regulierung der Einwanderung gegenüber. Das Buch stellt hierzu zwei grundlegende Fragen: Dürfen Menschen überhaupt an einer freien Einwanderung gehindert werden? Und wie verträgt sich die Einschränkung der Freiheitsrechte von Einwanderern mit den Grundlagen des liberalen Rechtsstaates? Die leitende Grundthese des Autors, der ein Recht auf Einwanderung zu begründen sucht, lautet: Ein liberal verfasster Staat hat die grundsätzliche Pflicht, Einwanderer aufnehmen. Die vielschichtige Argumentation berücksichtigt rechtsphilosophische, rechtsdogmatische, politikwissenschaftliche und rechtsökonomische Aspekte.
Basel: Helbing & Lichtenhahn 2007
ISBN 978-3-7190-2777-3, CHF 88.–

Grundrechte in der Schweiz.
Im Rahmen der Bundesverfassung, der EMRK und der UNO-Pakte.
Jörg Paul Müller, Markus Schefer
Der Band diskutiert die Grundrechte in der Schweiz eingehend, sowohl aus Sicht der Bundesverfassung als auch des internationalen Rechts und unter Einbezug zahlreicher rechtsvergleichender Hinweise. Er möchte einen Beitrag zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung leisten, der Praxis die Arbeit erleichtern und den Studierenden einen vertieften Zugang zu den Grundrechten eröffnen. Umfangreiche Schlagwort- und Entscheidregister erschliessen das Werk.
Bern: Stämpfli 2008, 4. Auflage
ISBN 978-3-7272-9792, CHF 198.–

Ausländerrecht. Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz.
Peter Uebersax, Beat Rudin, Thomas Hugi Yar, Thomas Geiser (Hg.)
Das Standardwerk bietet 27 fundierte Beiträge zur Rechtsstellung von Ausländern im schweizerischen Recht. Neben dem klassischen Ausländerrecht (Fremdenrecht) werden insbesondere folgende, in der Praxis wichtigen Rechtsgebiete ausführlich erläutert: u.a. Asyl-, Einbürgerungs-, Zivil-, Wirtschafts-, Straf-, Steuer-, Sozialrecht. Die Beiträge bieten rasche und fundierte Einführungen in die jeweiligen komplexen Themenbereiche und erläutern die spezifischen Probleme praxisnah. Die zweite, stark erweiterte Auflage berücksichtigt alle Neuerungen in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Literatur bis August 2008. Neu aufgenommen wurden Beiträge zum Einfluss der völkerrechtlichen Praxis auf das schweizerische Migrationsrecht, zu den Personen mit Vorrechten und Immunität sowie zu den Sans-Papiers in der Schweiz.
Basel: Helbling Lichtenhahn 2009, Reihe «Handbücher für die Anwaltspraxis» Band VIII
ISBN 978-3-7190-2698-1, CHF 328.00

Europäisches Flüchtlings- und Einwanderungsrecht: Eine kritische Zwischenbilanz.
Rainer Hofmann, Tillmann Löhr (Hg.)
Seit 1999 hat die EG die Kompetenz zur Regelung des Einwanderungs- und Asylrechts. Der Tagungsband gibt einen Überblick über die bisherige Harmonisierung, die das deutsche Ausländerrecht grundlegend verändert hat. Auf dem Gebiet des Asylrechts muss ein europäisches Asylsystem geschaffen werden, das der Genfer Flüchtlingskonvention und internationalen Menschenrechtsverträgen gerecht wird. Aus dieser Perspektive heraus konzentrieren sich die Beiträge des ersten Abschnitts auf den Inhalt und die innerstaatliche Umsetzung der Richtlinien, die das materielle Asylrecht und das dazugehörige Verfahrensrecht regeln. Im Bereich der Einwanderung stellt sich die Frage, wie Einwanderung in die EU so gestaltet wird, dass sie den Interessen der Mitgliedstaaten ebenso gerecht wird wie denen der Einwanderer. Daher thematisieren die Beiträge des zweiten Abschnitts Grundlagen, aber auch menschenrechtliche Anforderungen an eine europäische Einwanderungspolitik. Damit greift der Band nicht nur die jüngsten Änderungen des deutschen Ausländerrechts 2007 auf. Er verdeutlicht auch die Verzahnung des Europarechts mit völkerrechtlichen Standards und gibt einen aktuellen Ausblick auf die weitere Entwicklung.
Baden-Baden, Nomos 2008, Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e.V., Band 63
ISBN 978-3-8329-3652-5, € 48.00

«Kultureller Rabatt».
Überlegungen zu Strafausschluss und Strafermässigung bei kultureller Differenz.
Tom Frischknecht
Die globale Zunahme von Migrationsbewegungen führt vermehrt zum Aufeinandertreffen von Menschen, die in unterschiedlichsten Kulturen sozialisiert wurden und deren Wertvorstellungen folglich voneinander abweichen können. Das Strafrecht sieht sich dabei verschiedentlich mit der Frage konfrontiert, inwiefern es den fremden kulturellen Hintergrund einer beschuldigten Person berücksichtigen soll. Sind dabei vom Einzelnen Anpassungsleistungen zu erwarten oder ist Integration eine Bringschuld der Gesellschaft? In seiner Studie zeigt Tom Frischknecht anhand forensischer Beispiele systematisch auf, in welchen Bereichen des Strafrechts kulturelle Differenzen zu beachten sind. Der fremdkulturelle Hintergrund eines Beschuldigten kann dabei zu einem Strafausschluss führen oder als Faktor der Strafzumessung von Bedeutung sein. Dies wird anhand der dogmatischen Voraussetzungen individueller strafrechtlicher Verantwortlichkeit und unter Rückgriff auf den Strafzweck der positiven Generalprävention eingehend begründet und erläutert. Als Bezugspunkt dient unter anderem das Rechtsinstitut der «cultural defense», das vorwiegend in den USA entwickelt wurde und als beispielhafter Versuch gilt, Kulturfremdheit im Recht angemessen Rechnung zu tragen.
Bern: Haupt 2009
ISBN 978-3-258-07433-7, CHF 78.90


Bildung

Was nach der Schule?
Informationen für Mütter und Väter.
Der SDBB Verlag bringt das Medium «Was nach der Schule?» in vollständig überarbeiteter und grafisch neu konzipierter Auflage heraus. Die Broschüre ist erhältlich auf Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Mazedonisch, Portugiesisch, Serbisch, Spanisch, Russisch, Tamilisch und Türkisch. In dieser neuen Auflage wurde noch stärker auf die Zielgruppe Eltern fokussiert – konsequent werden Mütter und Väter angesprochen. Angesprochen werden auch ausländische Eltern mit breitem Bildungshintergrund, denn viele Migranten und Migrantinnen kommen heute nicht aus ländlichen und bildungsmässig benachteiligten Gebieten, sondern durchaus aus städtischem und akademischem Milieu, haben aber oft dieselben «Vorurteile» gegenüber nicht akademischen Ausbildungen. Für Ausländerinnen und Ausländer mit niedrigem Bildungshintergrund braucht es – trotz Texten in ihrer Muttersprache – in der Beratung vermutlich zusätzliche Unterstützung.
Bern: SDBB 2009
www.shop.sdbb.ch, CHF 10.00

Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung. Eine Bestandesaufnahme der EKFF.
Claudia Ermert Kaufmann, Caroline Knupfer, Jürg Krummenacher, Viviane Marti, Heidi Simoni, Kathrin Barbara Zatti
In der Schweiz fehlen schätzungsweise Betreuungsangebote für rund 120'000 Kinder. Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) fordert deshalb in ihrer neuen Publikation einen massiven Ausbau der familien- und schulergänzenden Betreuungsangebote. Gleichzeitig wehrt sich die EKFF dagegen, dass bei der Qualität Abstriche gemacht werden. Die EKFF setzt sich dafür ein, dass die Koordination zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden verbessert und die Kindertagesstätten zu Bildungsinstitutionen weiter entwickelt werden. Die Publikation liefert erstmals eine Bestandesaufnahme zum Thema «Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung» in der Schweiz und enthält abschliessend Empfehlungen der EKFF an die politischen Behörden.
Bern: EKFF 2008
Vertrieb BBL, Art-Nr. 301.609.d, CHF 8.-

Werte und Lebenschancen im Wandel.
Luca Bertossa, Karl W. Haltiner, Ruth Meyer Schweizer
Die neue Trendstudie der Eidgenössischen Jugendbefragung «ch-x» geht der Frage nach, ob und, wenn ja, wie sich die allgemeine Lebenszufriedenheit und Lebensorientierung, die Sozialisationsbedingungen hinsichtlich elterlichere Erziehung, Schule, Bildung, Berufswahl sowie Formen der politischen Integration, der staatsbürgerlichen Kompetenzen und Erwartungen an das Gemeinwesen von jungen Erwachsenen über ein Vierteljahrhundert verändert haben. Sie stützt sich auf repräsentative Erhebungen bei 20-jährigen Schweizerinnen und Schweizern aller Landesteile der Jahre 1979, 1994 und 2003.
Zürich/Chur: Rüegger 2008, wissenschaftliche Reihe: Band 19
ISBN 978-3-7253-0909-2, CHF 58.-

Warum wir so reich sind.
Wirtschaftsbuch Schweiz.
Rudolf H. Strahm
Rudolf H. Strahm bespricht in seinem neuen Werk aktuelle Fragen der schweizerischen Wirtschaftspolitik und Zusammenhänge mit der Weltwirtschaft. Er zeigt auf, wie es der Schweiz dank ihres effizienten Berufsbildungssystems weiterhin gelingt, die eigene internationale Konkurrenzfähigkeit aufrecht zu erhalten und ihre wirtschaftliche Spitzenposition nicht einzubüssen. Das Buch ist mit mehr als 100 Grafiken bestückt und stellt den Sachverhalt anhand von verständlichen und kritischen Kommentaren dar. Es bietet sowohl wirtschaftlich interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Lehr- und Fachpersonen ein umfassendes und unabhängiges Grundlagenwerk in Wirtschaftsfragen.
Bern: hep-verlag 2008
ISBN 978-3-03905-454-1, CHF 38.00


(Politische) Partizipation

Demokratisches Regieren und politische Kultur.
Post-staatlich, post-parlamentarisch, post-patriarchal?
Kathrin Ruhl, Jan Schneider, Jutta Träger, Claudia Wiesner (Hg.)
Demokratisches Regieren und politische Kultur tragen zunehmend post-patriarchale, post-parlamentarische und poststaatliche Züge. Obwohl diese Diagnose auf den ersten Blick eindeutig erscheint, führt sie sogleich zu weiteren Fragen: Haben sich patriarchale Strukturen tatsächlich überlebt oder nur eine andere Gestalt angenommen? Wovon genau ist die Rede, wenn «Folgen der Globalisierung» thematisiert werden? Was bedeutet «Europa» in Bezug auf den Begriffsinhalt wie auch für Theorie und Praxis von Demokratie? Handelt es sich bei Governance-Prozessen wirklich um neue Handlungsmuster und Prozeduren der politischen Willensbildung und Entscheidung? Mehr denn je ist die Politikwissenschaft derzeit gefordert, mit sich rasant vollziehenden Wandlungsprozessen in diesen Bereichen Schritt zu halten. Der vorliegende Band beleuchtet die Problemfelder anhand von Einzelbeispielen und lässt Handlungs- und Systemlogiken nachvollziehbar werden, die längst – und teilweise kaum hinterfragt – zu einem Bestandteil politischer Kultur geworden sind.
Berlin: Lit-Verlag 2006
ISBN 3-8258-9396-0, € 19.90


Interkulturelle Kommunikation

Werkstattheft: Interkulturelles Lernen.
Isabelle My Hanh Derungs-Ruhier, Pia Gabriel-Schärer, Bernard Wandeler (Hg.)
Die Internationalisierung von Fachhochschulen ist ein erklärtes Ziel der gesamteuropäischen Bildungsreform im Rahmen der Bologna-Erklärung. Dieses Werkstattheft gibt einen Einblick in den aktuellen Stand der Diskussion und in die Gestaltung von Lernprozessen im interkulturellen Bereich. Es zeigt, was an Auseinandersetzung in den verschiedenen Spannungsfeldern nötig ist, und welches die Chancen und Risiken von Auslandeinsätzen sind. Es gibt Einblicke in konkrete Erfahrungen von Studierenden.
Luzern: Hochschule Luzern (Soziale Arbeit) 2009
ISBN 978-3-906413-65-5, CHF 10.-

Fernsehen und Integration: Eine Studie zur sprachregionalen und ethnischen Repräsentation in der Schweiz.
Joachim Trebbe, Philomen Schönhagen (Hg.)
Die Schweiz ist seit Jahrhunderten eine viersprachige Nation, die heute einen der höchsten Ausländeranteile in Westeuropa hat. Aufgrund dessen bestehen bei Schweizern eine sprachregionale und eine nationale Identität und bei ethnischen Minderheiten im (Schweizer) Migrationskontext eine doppelte Identität durch die Heimat- und Ankunftskultur. Die Studie untersucht, inwieweit diese doppelten Identitäten aus Sicht der Zuschauer massenmedial repräsentiert sind und inwieweit die Fernsehprogramme zur Integration beitragen. Dazu wurden in drei Sprachregionen Gruppendiskussionen mit Schweizern und Migranten durchgeführt. Als Ergebnis zeigt sich, dass das Schweizer Fernsehen der doppelten Multikulturalität des Landes nur bedingt gerecht wird und dass sein Integrationspotenzial nicht ausgeschöpft wird.
Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2008
ISBN 978-3-86764-109-8, CHF 43.-

Wohnen

Projekt BaBeL.
Quartierentwicklung im Luzerner Untergrund.
Einsichten – Ergebnisse – Erkenntnisse.
Alex Willener, Dieter Geissbühler, Jürg Inderbitzin, Mark Ineichen, André Meier, Nika Spalinger, Sibylle Stolz Niederberger (Hg.)
Benachteiligte städtische Quartiere sind durch vielfältige Einflussfaktoren geprägt. Um den komplexen Herausforderungen zu begegnen, setzt das Modellprojekt BaBeL auf transdisziplinäre Zusammenarbeit, weitgehende Beteiligung verschiedenster Akteure und neu entwickelte methodische Ansätze. Die Autorinnen und Autoren beschreiben das Modellprojekt BaBeL aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen. Die einzelnen Beiträge behandeln neben der Geschichte des Quartiers die Prozessgestaltung und -methodik des Projekts sowie zahlreiche Analysen und Interventionsansätze in den Bereichen Soziokultur, Architektur und Aussenräume, Gesundheit, Kunst und Kultur, Migration/Integration, lokale Ökonomie sowie Kindheit und Jugend im Quartier.
Luzern: interact 2008 (in Kooperation mit dem vdf Verlag ETH Zürich)
ISBN 978-3-906413-57-0, CHF 42.–

Community Development: Local and Global Challenges.
Mariana Christen Jakob, Judith Reichmuth (Hg.)
Vom 26. bis 28. September 2007 organisierte die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit den 3. internationalen Kongress «Community Development: Local and Global Challenges». Fachpersonen aus der ganzen Welt referierten, und in rund 60 Workshops wurden Beiträge vorgestellt, Projekte aus der Praxis ebenso wie wissenschaftliche Diskussionen. Erstmals in der Schweiz fand auch der Austausch der verschiedenen Traditionen und Hintergründe der «Animation Socioculturelle» bzw. von «Community Development» über Kulturgrenzen hinweg statt. Dieser einmalige Einblick wird in Form einer Publikation mit über 30 Workshop-Beiträgen zugänglich gemacht.
Luzern: interact 2008
ISBN 978-3-906413-55-6, CHF 45.–

Urban Recycling.
Migration als Grossstadt Ressource.
Erol Yildiz, Birgit Mattausch (Hg.)
«Ghettos» oder «Parallelgesellschaft» – so werden von Arbeitsmigranten bewohnte Stadtquartiere etikettiert: negative Zuschreibungen, die dafür sorgen, dass die Bewohner dieser Quartiere ins gesellschaftliche Abseits gedrängt werden können. In der kritischen Migrationsforschung wird seit Jahren ein Perspektivenwechsel gefordert: Der historisch konstitutive Zusammenhang von Migration und Urbanisierung und damit der Beitrag der Migranten für die Entwicklung und Modernisierung von Stadtquartieren muss endlich zur Kenntnis genommen werden. Der Band bietet erfahrungsgestützte Einblicke in die soziale Praxis vor Ort und thematisiert bisher vernachlässigte Alltagswirklichkeiten. Die Beispiele: Berlin, Köln, Dortmund, Amsterdam, Marseille.
Basel, Boston, Berlin: Birkhäuser 2009
ISBN 978-3-7643-8804-1, CHF 35.90

Sozialpolitik

Sozialhilfe in der Schweiz.
Klassifikation, Integration und Ausschluss von Klienten.
Stefan Kutzner, Ueli Mäder, Carlo Knöpfel, Claudia Heinzmann, Daniel Pakoci
Die Schweizer Sozialhilfe befindet sich in einer schwierigen Situation: Ihre Ausgaben steigen, die Problemlagen ihrer Klienten und Klientinnen werden vielschichtiger, schliesslich sieht sich die Sozialhilfe in der Öffentlichkeit heftiger Kritik ausgesetzt. In diesem Spannungsfeld versucht sie neue Wege zu gehen. Der Band fasst die Hauptergebnisse einer grösseren Nationalfondsstudie über den gegenwärtigen Umbruch im Sozialhilfewesen zusammen. Das sozialpolitische Hilfeverständnis der Sozialhilfe, ihre verschiedenen Menschenbilder, die Entwicklung des Umgangs mit ihren Klienten, die Sicht der politischen Parteien auf die Sozialhilfe sowie unterschiedliche kantonale Strategien der Armutsbekämpfung sind die Themen. Insgesamt verdeutlichen die verschiedenen Beiträge die Normen und Mechanismen, mit denen die Sozialhilfe ihren Klienten gegenübertritt und somit einige mehr bei der Integration unterstützt, bei anderen hingegen soziale Ausschlussprozesse hinnimmt.
Zürich, Chur: Rüegger 2009
ISBN 978-3-7253-0913-9, CHF. 48.00

Sozialalmanach 2009.
Schwerpunkt: Zukunft der Arbeitsgesellschaft.
Carlo Knöpfel
Die Schweiz hat es in den Jahren der Hochkonjunktur versäumt, bezüglich sozialer Sicherheit für die Krise vorzusorgen. Sozialpolitisch waren in den letzten sechs Jahren fast nur Rückschritte zu verzeichnen, bilanziert Caritas Schweiz im soeben erschienenen Sozialalmanach 2009, dem Caritas-Jahrbuch zur sozialen Lage der Schweiz. Caritas warnt: Den sozialen Folgen der angebrochenen Wirtschaftskrise dürfe nicht mit weiterem Sozialabbau begegnet werden.
Luzern: Caritas 2009
ISBN 978-3-85592-121-8, CHF. 34.00

Sozialbericht 2008. Die Schweiz vermessen und vergleichen.
Christian Suter, Silvia Perrenoud, René Levy, Ursina Kuhn, Dominique Joye, Pascale Gazareth (Hg.)
Der Sozialbericht 2008 gibt anhand von systematisch gesammelten Daten und Indikatoren Auskunft über die aktuelle Lage und die wesentlichen Entwicklungstendenzen in der Schweizer Gesellschaft: Welche Ungleichheiten prägen die Schweizer Gesellschaft z.B. im Bildungssystem? Wie hat sich das kulturelle Gesicht der Schweiz verändert z.B. hinsichtlich Mehrsprachigkeit? Wie steht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz - etwa beim freiwilligen Engagement? Inwiefern hat sich das politische Leben in der Schweiz polarisiert und politisiert? Wie ist das Verhältnis zwischen Umwelt und Gesellschaft und wie hat sich das Umweltbewusstsein und das Umwelthandeln in den letzten Jahren verändert? Die wirtschaftliche, soziale, kulturelle, politische und ökologische Situation in der Schweiz wird dabei verglichen mit der Lage in anderen ausgewählten Ländern: Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien, England und den USA. Der vorliegende Band enthält neben 75 ausgewählten Indikatoren Vertiefungsbeiträge zu den Themen Bildungsungleichheit, Vielsprachigkeit, Freiwilligentätigkeit, politische Polarisierung sowie Umweltbewusstsein und Umwelthandeln.
Zürich: Seismo 2009
ISBN 978-3-03777-063-1, CHF. 42.00

Psychologie / Gesundheit

Migrationsgerechte Prävention und Gesundheitsförderung.
Bundesamt für Gesundheit BAG
Migranten und Migrantinnen werden durch Gesundheitsinformations- und Präventionsangebote oft nicht genügend erreicht. Die vorliegende Publikation soll dem entgegenwirken. Sie bietet Hintergrundinformationen über das Gesundheitsverhalten der Migrationsbevölkerung in der Schweiz und liefert Grundlagen sowie konkrete Anleitungen zur migrationsgerechten Gestaltung von Projekten.
Bern: BAG 2008
Bestellung: www.miges.admin.ch (gratis)

Wir schützen unsere Töchter: Präventionsbroschüre für Migranten.
Terre des Femmes Schweiz (Hg.)
Um Mädchen vor Beschneidungen zu schützen und betroffene Frauen und Mädchen zu unterstützen, hat Terre des Femmes Schweiz eine Broschüre für Migrantinnen und Migranten verfasst, die über die Genitalbeschneidung informiert. Die Broschüre ist auf Arabisch, Amharisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Somalisch erschienen. Die Broschüre kann von Behörden, Beratungsstellen, Ärztinnen, Sozialarbeitern, Beratern, Hebammen, Lehrpersonen usw. im Rahmen ihres Informationsauftrages und in der Präventionsarbeit eingesetzt werden.
Bestellung: www.terre-des-femmes.ch


Antirassismus / Diskriminierung

Gemeinden antworten auf Rechtsextremismus.
Perspektiven für eine Kooperation zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Miryam Eser Davolio, Matthias Drilling
Forschung über Rechtsextremismus hat sich bisher kaum mit der Frage beschäftigt, welche Möglichkeiten einer Gemeinde offen stehen, Strategien zu formulieren, die über das Handeln einzelner Akteure hinausgehen. Selten werden Massnahmen thematisiert, die sich nicht nur auf die Schule und die Jugendarbeit konzentrieren, sondern auch Akteure wie Polizei, Gemeindeverwaltung, politische Parteien und Vereine umfassen. Dabei ist – so die These des vorliegenden Buches – gerade eine solch umfassende Vorgehensweise am ehesten dazu geeignet, Antworten auf Rechtsextremismus und Gewalt zu finden. Die Studie sammelt Erfahrungen von 16 Gemeinden, die mit manifesten Formen von Rechtsextremismus konfrontiert wurden. Sie zeigt auf, wie versucht wurde, zivilgesellschaftliche Kräfte zu vernetzen und sie für ein gemeinsames Ziel einzubinden. Weil in vielen Fällen externe Fachpersonen der sozialen Arbeit mit speziellen Interventionen gegen Rechtsextremismus und Gewalt hinzugezogen wurden, konnte die Studie deren Wirkung analysieren. Die Ergebnisse zeigen auf, dass sich eine Vernetzung unterschiedlicher Strategien, welche sowohl das Umfeld rechtsextrem orientierter Täter als auch die Bevölkerung insgesamt mit einbezieht, als besonders wirkungsvoll herausstellt. Der sozialen Kontrolle kommt eine wichtige Funktion zu, wenn durch eine politisch breit abgestützte Mobilisierung vorherrschende Passivität durchbrochen und Sensibilität erzeugt werden kann. Die Ergebnisse sind so aufbereitet, dass Verantwortliche in Gemeinden konkrete Empfehlungen für die Formulierung und Umsetzung einer Strategie erhalten.
Bern: Haupt 2008
ISBN 978-3-258-07390-3, CHF 49.–

Spot it! Stop it!: Spots & Pictures.
GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Die DVD ist ein schulgerechtes Instrument  mit Gedankenanstössen für die Diskussion mit Jugendlichen und entsprechenden Lernmaterialien zu den Themen Rassismus, Gewalt, Diskriminierung, Antisemitismus, Menschen mit Behinderungen.
Zürich: GRA 2009
Bestellung: infogra@gra.ch
download: www.gra.ch

Fankultur und Fanarbeit in der Schweiz: eine Bestandesaufnahme.
David Zimmermann, Anton Lehmann
Die Publikation basiert auf bisherigen Erfahrungen, die mit Fanarbeit in der Schweiz gemacht wurden. Die Autoren plädieren für eine nachhaltige Entwicklung und Verankerung der sozio-professionellen Fanarbeit – in Ergänzung zu den bestehenden ordnungspolitischen Interventionen.
Magglingen: Bundesamt für Sport BASPO 2008
ISBN 978-3-907963-57-9, CHF 15.00

Ich will nicht mehr schweigen.
Der Islam, der Westen und die Menschenrechte.
Elham Manea
Dürfen muslimische Mädchen aus religiösen Gründen von Klassenfahrten ausgeschlossen werden? Ist es in Ordnung, wenn schon Sechsjährige verschleiert sind, weil Muslime nun mal anders sind? Nein, denn Menschenrechte sind wichtiger als Religion. Der Westen muss sie klar vertreten und dort, wo sie in Frage gestellt werden, energisch verteidigen. Falsch verstandene Toleranz führt zu Gleichgültigkeit und fördert Parallelgesellschaften, zementiert Vorurteile und arbeitet den Extremisten in die Hände. Mit ihrem Plädoyer für eine Toleranz, die Grenzen kennt, gibt Elham Manea der schweigenden Mehrheit der Muslime eine Stimme.
Freiburg im Preisgau: Herder 2009
ISBN 978-3-451-29756-4, CHF 32.90


Historische Perspektiven

Gurs – ein Internierungslager.
Reinhard Bek, Thomas Bullinger, Claude Laharie, Walter Schmid, Therese Schmid-Ackeret
Die letzten Zeitzeugen sterben. Über Gurs ist längst Gras gewachsen. Inzwischen steht um das bescheidene Mahnmal gar ein kleiner Wald. Dort, wo einst Zehntausende in elenden Baracken gehaust und gelitten haben. Im Katalog sind die heute im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich aufbewahrten Werke aus der Sammlung Elsbeth Kassler farbig und in Originalgrösse abgebildet: grosse, ausdrucksstarke Zeichnungen neben filigranen Skizzen auf Papierresten. Sie künden alle von den schwierigen Bedingungen, unter denen sie entstanden sind. Die fünf Textbeiträge behandeln die Geschichte des Internierungslagers, die Biografie Elsbeth Kassers, die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ihrer Sammlung sowie das künstlerische Schaffen in Gurs. Ein Werkverzeichnis in deutscher, französischer und englischer Sprache vervollständigt den Katalog. Die Buchgestaltung von Franca Moor, eine Schachtel aus Graukarton anstatt des üblichen Einbandes, erinnert daran, wie Elsbeth Kasser die ihr anvertrauten Werke aufbewahrt hat.
Basel: Schwabe 2009
ISBN 978-3-7965-2573-5, CHF 34.00

Kosova-Schweiz.
Die albanische Arbeits- und Asylmigration zwischen Kosovo und der Schweiz (1964-2000).
Hans-Peter von Aarburg, Sarah Barbara Gretler
Dargestellt ist hier ein aus kleinen Lebensgeschichten gewobenes Stück kosovarisch-schweizerischer Zeitgeschichte. Lange Zeit unbeachtete albanische Saisonniers erzählen von ihrem Leben, ebenso nachgezogene Ehefrauen, Secondos und einstige Flüchtlinge. Traditionelle und aufgebrochene Lebensentwürfe stehen einander schroff gegenüber. Gleich viel Raum wie Einzel- und Familienporträts nehmen Hintergrundtexte ein. So werden hier sozialgeschichtliche, wirtschaftliche, politische und demographische Entwicklungen in Innen- und Aussenperspektiven fassbar. Die Schweiz ist dabei ebenso Thema wie der Balkan.
Münster-Hamburg-Berlin-Wien-London-Zürich: LIT-Verlag 2008
ISBN 978-3-8258-1371-0, € 25.90

Leben auf Bruchlinien.
Die Türkei auf der Suche nach sich selbst.
Amalia van Gent
Es rumort in der Türkei. Islamisten gegen Kemalisten, alte, uralte Bruchlinien öffnen sich neu. Wohin zieht es die Türkei? Nach Westen, in die Arme der EU? Nach Osten, zu einem konservativ islamischen Staat mit boomender Wirtschaft nach dem Beispiel der Golfstaaten? Es sind tiefe und zugleich unklare Bruchlinien, denn sind nicht die Islamisten der AKP für Europa? Und sind nicht die kemalistischen Militärs vehemente Gegner einer Öffnung nach Europa? Wer sind überhaupt «die Türken»? Sicher ist eines: Entschieden ist der Grundkonflikt der Türkei noch lange nicht. Und so werden scheinbar lapidare Themen, wie ein kleines Stück Textil in der «Kopftuchfrage» zu Staatsaffären. Doch der Staat, der nach dem Militärputsch Anfang der 1980er Jahre zweieinhalb Jahrzehnte lang fast unangefochten Oppositionelle und Querdenker als Staatsfeinde hinter Gitter schickt, ist nun selber unter Beschuss geraten. Am stärksten spürbar sind diese Bruchlinien in der Grossstadt Istanbul, wo inzwischen an die 16 Millionen Menschen leben. Neben diesem zivilisatorischen Pessimismus der Alt-Istanbuler tut sich auch Neues auf; die melancholischen Klänge Anatoliens werden neu entdeckt und musikalisch aufgearbeitet, die Menschen suchen ihre Wurzeln und Geschichten jenseits des engen Korsetts der kemalistischen Staatsdoktrin.
Amalia van Gent, Türkei-Korrespondentin der NZZ, beschreibt das Land auf seiner langen Suche nach einer eigenen Identität. Dieses hochaktuelle Buch hilft, die Türkei besser zu verstehen.
Zürich: Rotpunkt 2008
ISBN 978 3-85869-377-4, CHF 38.00

Pierre Bourdieu: In Algerien.
Zeugnisse der Entwurzelung.
Franz Schultheis, Christine Frisinghelli
Algerien wurde in einem aussergewöhnlich brutalen Kolonialkrieg tief erschüttert und von Anachronismen und sozialen Widersprüchen zerrissen. In diesem, wie Pierre Bourdieu selbst sagte, «gesellschaftlichen Laboratorium» kristallisierte sich Ende der Fünfzigerjahre seine Bestimmung zum Beruf des Soziologen heraus. Die Fotografien vom veränderten Alltag der durch Krieg, Deportation und soziale Unterwerfung geschundenen Landbevölkerung waren für den jungen Pierre Bourdieu Erinnerungshilfen: 40 Jahre lang bewahrte er rund 2.000 Schwarzweissfotos in verstaubten Schachteln auf. Pierre Bourdieu hat sein Archiv von Fotografien mit dem Wunsch übergeben, es in einer Ausstellung und einer Publikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das vorliegende Buch und die begleitende Wanderausstellung zeigen die historischen, politischen, wissenschaftlichen, aber auch die biografischen Zusammenhänge, in denen seine Arbeiten entstanden. Die spät entdeckten Fotos von Pierre Bourdieu waren letztlich nicht nur Arbeitsinstrumente, sondern auch eine Form des politischen Engagements für Algerien. Seine Botschaft von der Entwurzelung ist nach wie vor eine traurige Wahrheit.
Konstanz: Universitätsverlag UVK 2009
ISBN 978-3-86764-166-1, CHF 58.00

Reportagen / Porträts und Geschichten

Sans-Papiers: Lebensrealität und Handlungsstrategien.
Raphael Strauss 
Sans-Papiers führen ein Leben am Rande der Gesellschaft – und sind doch mitten unter uns. Sie müssen jederzeit damit rechnen, von der Politze kontrolliert zu werden, und trotzdem fahren sie jeden Tag an ihren Arbeitsplatz. Sie dürfen das Geheimnis um ihren Aufenthaltsstatus niemandem anvertrauen, unterhalten sich aber trotzdem höflich mit ihren Wohnungsnachbarn. Sie werden genau so oft krank oder sind von Unfällen betroffen wie wir alle, schrecken aber von einem Arztbesuch zurück, weil sie nicht versichert sind oder fürchten, enttarnt zu werden. Der Autor nähert sich in seiner Arbeit mit der konkreten Lebenssituation von Sans-Papiers, von Menschen, die in der Schweiz leben, ohne öffentlich in Erscheinung zu treten.
Bern: Institut für Sozialantropologie 2008
ISBN 978 3-906465-44-9, gratis
www.anthro.unibe.ch

Das Leben kann nicht warten.
Junge Frauen aus Srebrenica. Neun Porträts.
Renate Metzger-Breitenfellner, Jutta Vogel
Zehn Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica sind die Spuren noch schmerzhaft präsent. Die Menschen sind traumatisiert. Nur wenige junge Leute sind zurückgekehrt. Ihr Leben scheint oft hoffnungslos. Viele Häuser in der Stadt und den umliegenden Dörfern sind zerstört oder stehen leer, die Infrastruktur funktioniert schlecht. Srebrenica ist eine vergessene Stadt. Renate Metzger erzählt einfühlsam die Lebensgeschichten junger Frauen aus Srebrenica. Sie schildern deren Schicksal, ihre Träume und Wünsche in einer brutalen Wirklichkeit. Entstanden sind so neun lebensnahe Porträts von Frauen zwischen 19 und 33 Jahren, die den schwierigen Umständen mit Hoffnung und Stärke begegnen, Menschen, die nicht auf ein «besseres Leben» warten können und wollen. Jutta Vogel ergänzt die Geschichten mit eindrücklichen Porträt-Fotografien in Schwarzweiss. Sie schaffen einen neuen Zugang zu diesen Frauen und machen Unausgesprochenes sicht- und fühlbar.
Luzern: Rex-Verlag 2006
ISBN 978-3-7252-0825-8, CHF 29.80

WunsCHland?
Geschichten von Menschen, die in die Schweiz eingewandert sind.
Trix Bürki, Sabine Kronenberg, Franco Supino (Hg.)
Mehr als ein Fünftel aller Kinder wächst zweisprachig auf. Lehrpersonen gehören zu einer Berufsgruppe, die sehr direkt mit Migration konfrontiert ist. Nicht nur die Sprachförderung gehört zu ihrem Aufgabenbereich. Lehrpersonen leisten als Angestellte einer gesellschaftlichen Institution einen wichtigen Beitrag hinsichtlich der Integration. Es gilt gegenseitige Akzeptanz und Toleranz zu fördern sowie die Chancengleichheit zu gewähren. «WunsCHland» will einen Beitrag im Schulalltag der Migrationsgesellschaft leisten. Studierende der Pädagogischen Hochschule FHNW Solothurn haben unter der Leitung von Franco Supino Begegnungen und Gespräche mit Migrantinnen und Migranten zu Geschichten für Kinder verdichtet. Ein Lesebuch zum Thema Migration für die 3. bis 4. Primarklasse.
Solothurn: Lehrmittelverlag des Kantons Solothurn 2008
ISBN 978-3-905470-29-1, CHF 24.70

DurCHstarten.
Geschichten von Jugendlichen, die in die Schweiz eingewandert sind.

Trix Bürki, Sabine Kronenberg, Franco Supino (Hg.)
Das Lesebuch «durCHstarten», eine Nachfolgeprodukt von «WunsCHland?», enthält Lebensgeschichten und Fotos von fünfzehn jungen Menschen aus vierzehn Ländern – Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Deutschland, England, Iran, Italien, Kosovo, Philippinen, Serbien, Somalia, Sri Lanka, Südafrika, Thailand. Sie sind als Jugendliche zwischen elf und siebzehn Jahren in die Schweiz eingewandert. «durCHstarten» ist ein Sprach- und Lesebuch für Jugendliche. Porträtbilder und Fotoreihen machen die Personen und ihre Lebensgeschichten greifbar und konkret. Lesedidaktische Anregungen bieten Hand zur vertieften Arbeit im Unterricht. Kurze Texte in der Muttersprache der Interviewten sowie in deutscher Übersetzung verweisen auf den Sprachwechsel, den sie durchlebt haben. Ein thematisch gegliederter Informationsteil vermittelt Hintergrundwissen zu den beschriebenen Ländern und Religionen sowie zu Einwanderung, Ausländerrecht und Bildung in der Schweiz. Ein Lesebuch zum Thema Migration für das 5. bis 8. Schuljahr.
Solothurn: Lehrmittelverlag des Kantons Solothurn 2009
ISBN 978-3-905470-30-7, CHF 28.60

Die «Jugo-Schweiz». Klischees, Provokationen, Visionen.
Philipp Kämpf
Viele Schweizer suchen ihre Identität, indem sie sich vom Fremden abgrenzen: «Ich weiss zwar nicht, was ein Schweizer ist, aber ich weiss, dass ich kein ‹Jugo› sein will.» Des Schweizers Lieblings-Sündenbock hat einen Namen auf «-ić». Das Buch über die «Jugo-Schweiz» geht den entsprechenden Klischees kritisch auf den Grund. Im Alltag recherchierte Begebenheiten, ungewohnte Eindrücke und Fakten, Bedenkliches, teils auch Humoristisches ergibt ein facettenreiches Bild, um in eine positive Vision des Miteinander zu münden. Fazit: Der «Jugo» existiert vor allem in Schweizer Köpfen. Probleme aus der südosteuropäischen Einwanderung sind meist eingebildet oder von Politikern in Kampagnen-Zeiten herbeigeredet. Vielleicht ist es gerade die kulturelle Nähe zwischen Zagreb und Zürich, die gewisse Schweizer irritiert. Dies zeigen auch die Interviews mit erfolgreichen Einwanderern wie Ex-Mister-Schweiz Robert Ismajlović, Schriftstellerin Dragica Rajčić oder Fussballer Sreto Ristić. Statistisches zur ex-jugoslawischen Bevölkerung, zu Sprachen und Religionen, aber auch zu den Herkunftsstaaten von Slowenen, Kroaten, Bosniern, Serben, Montenegrinern, Kosovaren und Mazedoniern runden das Buch ab.
Zürich, Chur: Rüegger 2008
ISBN 978-3-7253-0892-7, CHF 24.–

Ein Inder in Deutschland.
Annant Kumar
Das 11. Buch von Anant Kumar «Ein Inder in Deutschland» enthält 27 Begebenheiten der Orte und Menschen in der Bundesrepublik. Gewöhnliche Menschen deutscher und unterschiedlichster Herkunft verwandeln sich in die außergewöhnlichen Charaktere mit ihren übergeschnappten Geschichten. Ebenso zeichnet der Erzähler die idyllischen und heiteren Atemzüge der wenig bekannten Städte und schäbigen Wohngegend auf.
Schweinfurt, Wiesenburg 2008
ISBN 978-3-939518-91-4, CHF 23.90

Gegen die Flut.
Yusuf Yesilöz
Seit ihrem vierzehnten Lebensjahr sehen Alan und Meryem, die heute um die vierzig sind, ihre Welt, ihre Umgebung, ja sogar ihre eigenen Hände wie durch einen Schleier. Die Vergangenheit liegt als schwere Last auf ihren Schultern. Der Kurde Alan wurde gezwungen, eine der sieben Töchter seiner Tante zu heiraten. Meryem sollte ihrer türkischen Familie in der Fremde zu Ansehen verhelfen. Wenn sie jedoch versuchen, die Kultur ihrer Eltern zu vergessen, werden sie eingeholt von Normen und Traditionen, die sie längst überwunden glaubten. Für Alan gerät die Welt total aus den Fugen, als er feststellt, dass seine Frau eine kurze Affäre mit einem anderen Mann hatte. Verschwunden ist die Grosszügigkeit, die er in all den Jahren zu entwickeln versucht hat, zurück bleibt eine tiefe Verletzung, die er als Mann nicht überwinden kann. Yusuf Yesilöz erzählt die Geschichte von Alan und Meryem in melancholischem Ton, leise, ohne Anklage und mit grosser Kenntnis der verschiedenen Welten, in denen sich die Personen bewegen. Dass Alan behutsam eine Annäherung an seine Tochter aus erster Ehe gelingt, öffnet den Weg in die Zukunft.
Zürich: Limmat 2008
ISBN 978-3-85791-559-8, CHF 34.50

 

 
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